Bereits 2012 war es absehbar: Deutschland braucht dringend mehr Wohnraum. Insbesondere in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten wird die Suche nach bezahlbaren Wohnungen immer schwerer. Zwei Studien des Pestel-Instituts in Hannover kamen damals zu dem Schluss, dass bis 2017 allein schon etwa 825.000 Mietwohnungen neu gebaut werden müssten, um den Bedarf vollständig zu decken. Die Bauherren stehen immer mehr unter Stress, vor allem auch aufgrund des wachsenden Kostendrucks. Leider wird dann oftmals am falschen Ende gespart – am Brandschutz.

 

Fachleute warnen vor Aufweichung der Feuerschutz-Standards

 

Kürzlich fand die Brandschutzmesse Feuertrutz in Nürnberg statt. 275 Firmen präsentierten dabei bauliche, anlagentechnische als auch organisatorische Brandschutzlösungen. Dort zu Wort meldete sich unter anderem der Experte Günther Ruhe, der ein Beratungsbüro für Brandschutz betreibt. Er verstehe zwar, dass große Städte citynahe Wohnquartiere verdichten, um den benötigten Raum zu schaffen, aber das dürfe nicht zu einer Lockerung der brandschutztechnischen Prinzipien führen. Bisher gehörte dazu, dass Menschen aus brennenden Häusern mit Feuerwehrdrehleitern gerettet werden können, wenn die Flucht über das Treppenhaus nicht möglich ist.

In Berlin und Hamburg ist man inzwischen bereit, auch Wohnungen zu genehmigen, bei denen dies nicht möglich sei. Gründe dafür können zu dichte Bebauung, Parkplätze oder hoher Baumbestand sein. Die Baustandards sollten daher zumindest dafür sorgen, dass das Treppenhaus im Brandfall rauchfrei bleibe und in jedem Fall als Fluchtweg genutzt werden könne. Doch ob dies immer so umsetzbar sei, da zeigte sich der Experte skeptisch.

Sicherheit ist das A und O

 

Laut Ruhe gibt es in Deutschland jährlich rund 400 Brandtote. Diese Zahl muss unbedingt weiter gesenkt werden, auch wenn wir damit international gesehen noch gut dastehen. „Wir wollen neue Wohnungen, Bäume und Parkplätze für die Bewohner – dabei muss aber auch weiterhin der Brandschutz gewährleistet bleiben“, stellte er klar.

Seinen Angaben zufolge bereiten den Brandschutzfachleuten weiterhin die oft tödlichen Folgen von Rauchgas Sorgen. Etwa 90 Prozent der Brandopfer sterben nicht an den Flammen, sondern am Rauch. Ruhe betonte: „Wenn Sie einen verrauchten Raum betreten, sind Sie nach drei Atemzügen ohnmächtig, nach drei weiteren tot.“ Dafür verantwortlich sei zum Teil auch der hohe Plastikanteil bei Wohnungseinrichtungen.